Parkerleichterungen für Menschen mit Behinderung

Behindertenparkplätze, die Stars unter den Parkplätzen

Aktualisiert: 19. Oktober 2020
Veröffentlicht: 01. August 2019
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Straßenschild eines Behindertenparkplatz

Einleitung

Behindertenparkplätze sind sozusagen die Stars unter den Parkplätzen: sie sind breiter als gewöhnliche Parkplätze, bieten eine größere Bewegungsfreiheit und befinden sich meistens in unmittelbarer Nähe von den Orten, die man besuchen möchte. Doch wer darf da eigentlich offiziell parken?

Beitragsübersicht

Schwerbehindertenausweis = Parkerlaubnis?

Die meisten Menschen denken, dass wenn sie einen Schwerbehindertenausweis besitzen, sie auch automatisch dazu berechtigt sind, auf Parkplätzen für Menschen mit Behinderung, den sog. Behindertenparkplätzen zu parken. Doch in Wahrheit stimmt das gar nicht, denn wer einen Behindertenparkplatz nutzen möchte, muss einen gesonderten Parkausweis beantragen, den so genannten blauen EU-Parkausweis. Nur Besitzern des blauen EU-Parkausweises ist es somit erlaubt, auf Behindertenparkplätzen zu parken.

Welche Parkausweise gibt es
für Menschen mit Behinderung?

Für Menschen mit Behinderung, die in Deutschland leben, gibt es zwei verschiedene Parkausweise. Den bereits oben genannten blauen EU-Parkausweis und den orangenen Parkausweis. Zusätzlich bieten einige Bundesländer noch individuelle Parkausweise an, welche dann jeweils nur dort gültig sind. Hauptsächlich muss man jedoch zwischen dem blauen und dem orangenen Parkausweis unterscheiden. Der wichtigste Punkt: der blaue Parkausweis ist europaweit gültig – der orangene Parkausweis lediglich Deutschlandweit. Außerdem darf man nur mit dem blauen Ausweis auf einem Behindertenparkplatz parken!

Was kann der orangene Parkausweis
und wer darf ihn beantragen?

Der orangene Parkausweis wird vom zuständigen Straßenverkehrsamt kostenfrei ausgestellt. Für den Antrag muss man nicht zwingend beim Amt erscheinen, sondern kann auch einen schriftlichen Antrag stellen oder durch einen Bevollmächtigten beantragen lassen.

Menschen mit Behinderung erhalten auf Antrag den orangenen Parkausweis, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Merkzeichen G und Merkzeichen B und einem Grad der Behinderung (GdB) von 80 oder mehr für Einschränkungen der Beine oder der Lenden-Wirbelsäule. Das bedetet, dass nur Menschen diesen Parkausweis bekommen, die gar nicht oder nur sehr schlecht gehen können.
  • Merkzeichen G und Merkzeichen B und einem Grad der Behinderung (GdB) von 70 oder mehr für Einschränkungen der Beine oder der Lenden-Wirbelsäule und gleichzeitig einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder höher durch eine Funktionsstörung des Herzens und der Lunge
  • Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa und einem Grad der Behinderung (GdB) von 60 oder mehr
  • künstlicher Darmausgang und gleichzeitig künstliche Harnableitung und einem Grad der Behinderung (GdB) von 70 oder mehr.

Mit einem orangenen Parkausweis darf an folgenden Orten geparkt werden, wenn der Ausweis gut sichtbar im Auto vorzufinden ist:

  • im eingeschränkten Halteverbot, im Zonen-Halteverbot und auf Anwohner-Parkplätzen bis zu 3 Stunden, jedoch mit Parkscheibe als Nachweis
  • in Fußgängerzonen während der Ladezeit
  • in verkehrsberuhigten Bereichen, wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden
  • an Parkuhren und Parkschein-Automaten kostenfrei und ohne zeitliche Begrenzung

Besitzer eines orangenen Parkausweises dürfen nicht auf Behindertenparkplätzen mit dem Rollstuhl-Symbol parken!

Was kann der blaue EU-Parkausweis
und wer darf ihn beantragen?

Den blauen EU-Parkausweis kann man ebenfalls beim zuständigen Straßenverkehrsamt kostenlos beantragen. Für den Antrag muss man nicht zwingend beim Amt erscheinen, sondern kann auch einen schriftlichen Antrag stellen oder durch einen Bevollmächtigten beantragen lassen.

Mit dem blauen EU-Parkausweis dürfen Menschen mit Behinderung auf gekennzeichneten Behinderten-Parkplätzen mit Rollstuhl-Symbol parken, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • außergewöhnliche Gehbehinderung (Merkzeichen aG)
  • Blindheit (Merkzeichen BI)
  • Contergan-Schädigung (beidseitige Amelie oder Phokomelie) oder eine vergleichbare Behinderung

Mit dem blauen EU-Parkausweis dürfen Menschen mit Behinderung europaweit, wenn sie den Ausweis sichtbar vorne im Auto hinterlassen, an folgenden Orten parken:

  • auf Parkplätzen mit Rollstuhl-Symbol, höchstens 24 Stunden
  • im eingeschränkten Halteverbot, im Zonen-Halteverbot und auf Anwohner-Parkplätzen bis zu 3 Stunden, jedoch mit Parkscheibe als Nachweis
  • in Fußgängerzonen während der Ladezeit
  • in verkehrsberuhigten Bereichen, wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert werden
  • an Parkuhren und Parkschein-Automaten kostenfrei und ohne zeitliche Begrenzung

In welchen Ländern ist der
blaue EU-Parkausweis gültig?

Der blaue EU-Parkausweis ist in allen Ländern der Europäischen Union gültig. Jedoch gibt es bei der Anwendung des blauen EU-Parkausweises im europäischen Ausland geringfügig abweichende Bestimmungen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, sich vor Antritt der Reise ins EU-Ausland über die teils unterschiedlichen länderspezifischen Bestimmungen zu informieren.

Die Europäische Union (EU) bietet auf der folgenden Webseite ausgiebige Informationen zu jedem EU-Land über die Parkrechte und Bestimmung des blauen EU-Parkausweises:

Link-Tipp

EU-Parkausweis für Personen mit Behinderung

Die Parkrechte und die Berechtigungen verbunden mit dem blauen EU-Parkausweis können je nach EU-Land unterschiedlich sein. Auf der folgenden Webseite der Europäischen Union (EU) kannst Du Dich ausgiebig über die jeweiligen Parkrechte und Bestimmungen der einzelnen EU-Ländern informieren.

Was darf man auch trotz
blauem Parkausweis nicht?

Obwohl Menschen mit Behinderung in Hinsicht auf Parken viele Freiheiten haben, wenn sie einen blauen EU-Parkausweis besitzen, haben sie auch einige wenige Einschränkungen. Beispielsweise ist es ihnen trotz blauem Parkausweis nicht gleich erlaubt auf einem, Privatgrundstück zu parken, denn dort entscheiden die Besitzer wer auf ihren Parkplätzen parken darf und wer nicht. Ähnlich verhält es sich auch bei gemieteten Parkplätzen, die mit einem individuellen KFZ-Kennzeichen kenntlich gemacht sind oder mit persönlichen Behindertenparkplatz von anderen Menschen mit Behinderung. Hat zum Beispiel: Max Müller einen persönlichen Behindertenparkplatz, darf auch nur er auf diesem Parkplatz parken.
 

Dürfen auch andere Personen
den Parkausweis nutzen?

Wenn ein Mensch mit Behinderung nicht in der Lage ist selbst Auto zu fahren, ist es beispielsweise möglich, dass die Eltern, Ehepartner oder Kinder einen Parkausweis beantragen. Allerdings dürfen die Familienmitglieder den Parkausweis nur dann nutzen, wenn sie den jeweiligen Person mit Behinderung auch fahren. Da der blaue EU-Parkausweis stets personenbezogen ist, ist es auch nicht möglich eine andere Person mit Behinderung zu transportieren, der zum Beispiel keinen eigenen blauen EU-Parkausweis besitzt.

Persönlicher Behindertenparkplatz

Eine weitere Möglichkeit, welche Menschen mit Behinderung nutzen können, ist einen persönlichen Behindertenparkplatz zu beantragen. Somit haben sie dann die Möglichkeit sich dauerhaft einen Parkplatz vor der Haustür oder in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatz zu sichern. Der Parkplatz bekommt dann ein Schild mit einem Rollstuhlsymbol und dem Hinweis „Mit Parkausweis Nr. ….“. Somit ist es dann nur der Person, die einen blauen EU-Parkausweis mit der gleichen Nummer wie auf dem Schild besitzen, erlaubt dort zu parken.

Allerdings ist Genehmigung eines persönlichen Behindertenparkplatzes ungleich schwerer als die Genehmigung eines Parkausweises. Der persönliche Behindertenparkplatz kann wieder beim Straßenverkehrsamt beantragt werden, jedoch bekommt man nur nach strenger Prüfung eine Genehmigung. Je nach Wohnort müssen diverse Unterlagen eingereicht werden, zum Beispiel:

Außerdem muss der Antragssteller begründen, warum er einen persönlichen Behindertenparkplatz braucht. Zum Beispiel, weil es in der Nähe sehr schwierig für ihn ist einen freien Parkplatz zu finden und er somit täglich viel Zeit bei der Parkplatzsuche benötigt.

Zusammenfassung und Fazit

Parkplätze mit Rollstuhlsymbol sind für Menschen mit Behinderung gedacht, die aufgrund ihrer Einschränkungen auf kurze Wege angewiesen sind. In Deutschland gibt es verschiedene Parkausweise und Parkerleichterungen. Parkplätze für Menschen mit Behinderung, die das Rollstuhlsymbol haben, dürfen nur von Inhabern des blauen EU-Parkausweises genutzt werden.

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